Fon +49 711 788090 | info@spiegel-elektrotechnik.de

Elektrische Anlagen für Baustellen – Übergangsfrist läuft aus

Baustromverteiler, bei dem eine Nachrüstung aus Platzgründen nicht möglich ist.
Baustromverteiler, bei dem eine Nachrüstung aus Platzgründen nicht möglich ist.

Immer, wenn der technische Stand sich verändert, muss die Normenlage angepasst werden. Gerade auf Baustellen trifft dies in den letzten Jahren mehr und mehr zu. Die DIN VDE 0100-704 wurde im April 2018 neu veröffentlicht und enthielt tiefgreifende Änderungen. Im Mai 2021 läuft die Übergangsfrist für die Vorgängernorm ab.

 

Bereits mit der Herausgabe der DIN VDE 0100-704 im Mai 2001wurde zur Erhöhung der Sicherheit festgelegt, dass nicht nur Stromkreise im 1-Phasenbetrieb sondern alle Stromkreise mit Steckdosen bis 32 A nicht mehr mit 0,5 A sondern mit RCDs á 30 mA zu schützen sind. Dies erforderte schon damals einen immensen Aufwand an Nachrüstung, Erneuerung und Neukauf von Baustromverteilern.

Forderung nach allstromsensitiven RCDs

Die ersten Geräte auf Baustellen, die mit Frequenzumrichtern betrieben wurden, waren Kräne, Lüftungsanlagen und Pumpen. Diese Geräte mussten gemäß Abschnitt 531.3.2 der VDE 0100-530 schon seit Juni 2005 an einen entsprechenden Baustromverteiler mit einer allstromsensitiven Fehlerstrom-Schutzeinrichtung angeschlossen werden. Die damalige BGI 608 kannte dazu noch ein paar Sonderlösungen mit Trenntransformatoren oder Ausnahmen, in denen noch ein RCD Typ A verwendet werden durfte, aber grundsätzlich war damit der RCD Typ B auf Baustellen schon eingeführt.

Ob Geräte wie Inverter-Schweißgeräte, elektronische Umformer für Betonrüttelflaschen, Bauaufzüge, Ladegeräte für Stapler, Siloantriebe oder gesteuerte Pumpen usw. einen vorgeschalteten RCD Typ B erfordern, war in der Vergangenheit für Laien nicht und für Elektrofachkräfte kaum erkennbar. Selbst wenn auf der Baustelle erkannt wurde, dass es sich um ein frequenzgesteuertes Gerät handelt, bestand ein Problem darin, eine geeignete Steckdose zu finden. Meist konnte dies nur die Elektrofachkraft erkennen!

Herausforderung: Ständig steigende Anzahl elektrischer Geräte

Die ständig steigende Anzahl an Geräten, zum Teil mit Frequenzumrichtern, die auch glatte Leck-/Gleichfehlerströme erzeugen und somit RCDs vom Typ A beeinflussen können, erforderte nun neue Schutzmaßnahmen. Mit der DIN VDE 0100-704 vom Oktober 2018 wurde diesem Problem entgegengewirkt. Im Abschnitt 704.531.3 ist festgelegt, dass Drehstrom-Steckdosen bis einschließlich 63 A mit einem allstromsensitiven RCD vom Typ B zu schützen sind.

Nur wenn man über Baustromverteiler Bereiche versorgt, die nicht direkt zur Baustelle gehören, kann man argumentieren, dass dort kein RCD Typ B erforderlich ist. Denkbar und sinnvoll wäre dies eigentlich nur für eine separat aufgestellte Containeranlage.

Hauptschalter bei Baustromverteilern

Im Abschnitt 704.537.2.101 der gleichen Norm wurde folgendes festgelegt: „Fest angeschlossene Baustromverteiler (BV) mit Steckdosen müssen Einrichtungen zum Trennen der Einspeisung, die gegen Einschalten abschließbar und für Laien (BA1) benutzbar sind, enthalten. Eine verschließbare Umhüllung ist nicht ausreichend.“ Ein Vorhängeschloss am Baustromverteiler genügt somit nicht mehr.

Bisher wurde ein Hauptschalter explizit nur für Anschlussschränke vorgeschrieben, um im Bedarfsfall die gesamte Stromversorgung der Baustelle abschalten zu können. Die neue Forderung bedeutet tatsächlich in den meisten Fällen eine Neubeschaffung des Baustromverteilers. Die „Notlösung“, an einen Baustromverteiler für den Festanschluss eine kurze Leitung mit Stecker zu montieren, mag bei 63-A-Baustromverteilern noch praxistauglich sein, bei allen größeren Typen jedoch nicht mehr.

Nachrüsten oder austauschen?

Mit dem absehbaren Ende der Übergangsfrist der Vorgängernorm (VDE 0100-704:2007-10) im Mai 2021 kommen vermehrt Beratungsanfragen bei der Technischen Beratungsstelle des Fachverbandes an, ob und wie ein Umbau oder eine Nachrüstung alter Baustromverteiler möglich sei.

Leider ist eine Nachrüstung oft nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch aus Sicht der Regelwerke schwierig. Da Baustromverteiler nach ihrer Produktnorm VDE 0660-600-4 typgeprüft sein müssen, kann nur der eigentliche Hersteller des Baustromverteilers einen Umbausatz inklusive neuer technischer Dokumentation bereitstellen. Dies hat ein Teil der Hersteller auch für eine begrenzte Produktauswahl getan und Umbausätze zur Verfügung gestellt.

Durch einen Umbau „auf eigene Faust“ seitens der E-Handwerksbetriebe sind dann umfangreiche Prüfungen und Berechnungen erforderlich. Daher ist unsere Empfehlung, die Stromverteiler, die nur mit sehr viel Aufwand auf die Anforderung der aktuellen VDE 0100-704 umzurüsten wären, nicht mehr auf Baustellen, sondern für andere Zwecke einzusetzen. Alternativ zur Entsorgung, so wurde uns berichtet, werden sie von den Montagehelfern für weiter östlich gelegene Baustellen ins Ausland über- und mitgenommen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.